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»Singen und Musizieren«

eine wichtige Aufgabe von Trachtenverein und Gauverband.

Ursprung

Die Geschichte der bayerischen Volksmusik ist so alt wie die seiner Kunstmusik. Wir können davon ausgehen, dass sich im Frühmittelalter, mit dem Einzug des Christentums, auch in unserem Lande die Trennung in eine Kunst- und Volksmusik vollzog. Dort die gesetzte, volksunbeliebte Mönchskunst des gregorianischen Chorais, hier die Musik in ihrer Funktion von einem hirtenbäuerlichen Dasein bestimmt. Musik erklang zu den Lärmumzügen, Jagdgängen, Perchtentänzen und dergleichen.

Die Volksmusik war in ganz früheren Jahren eine Angelegenheit der einfachen Leute, der Bauern, Handwerker, Jäger und dem Hirtenvolk. Im Gesang durch den Juchezer und Almschrei, im musikalischen durch Alphorn und der Hirtenflöte.

Mit Hilfe urtümlicher und altertümlicher Musikinstrumente, so glaubt und sagt man, kann der Mensch auch Einfluss auf geheime Mächte und seine Umwelt gewinnen. Das Wetterhorn soll geeignet sein, heranziehende Gewitter zu verscheuchen. Die Lärmumzüge im Frühjahr mit Glocken, Schellen, Peitschen, Trommeln, Klappern und Ratschen sollen die bösen Mächteverjagen und die Fruchtbarkeit wecken. Weithin tönende Alphörner helfen die wilden Tiere, Wildfrauen und Hexen zu vertreiben.

Um eine Entwicklungsstufe höher als die Jäger, stehen die Hirtenvölker. Zu deren Attributen gehörten Kuhhorn, Peitschen und Rasselstock. Die Peitsche wurde von den Hirten an vielen Orten auch zum Brauchtumsmäßigen Knallen benützt, das als Fruchtbarkeits- und Abwehrzauber wirken sollte.

Das Aperschnalzen im Rupertiwinkel soll auch alle Winterunholde vertreiben. Es beginnt mit dem Frühlings-Tauwetter. Rüstige Burschen mit ihren sechs Meter langen, kurzstieligen Peitschen, schwingen diese mit beiden Händen mehrmals im Kreise über den Kopf und schlagen dann mit aller Kraft los, das dann einen lauten Knall erzeugt.

 

Volksmusikinstrumente

Hier eine kurze Aufzählung des volksmusikalischen Instrumentariums:

Flöte (auch Fleitl und Flautl genannt) eines der ältesten Musikinstrumente und einst in unserem Land allgemein verbreitet und vorzugsweise gebraucht. Gegen Ende des 12. Jhs., in Deutschland zum ersten Male nachweisbar und in der einfachen Form fast ein halbes Jahrtausend unverändert im Gebrauch.

Solche und ähnliche Instrumente stellten auch Lorenz und Georg Walch (geboren 1690) in Berchtesgaden her. In vielen in- und ausländischen Museen und Sammlungen befinden sich Musikinstrumente Berchtesgadener Herkunft, Querflöten, Blockflöten, Flageoletts (Flaschelettl) und Klarinetten.

Alphorn ein Trompeteninstrument aus Holz. Man fand es am häufigsten bei den Hirten in den Alpen. Bekannt ist es seit 1550 mit einer Länge von elf Fuß, das sind etwa 3 1/2 Meter.

Dudelsack und Drehleier vorwiegend von böhmischen Musikanten gespielt und lange Zeit in Oberfranken und der Oberpfalz zu hören.

Schwegelpfeife, Trommel, Bratsche (als Nachschlaginstrument), die viersaitige Bassgeige, das dreisaitige Bassettl , die Pedalharfe, die Volks- oder Tiroler Liederharfe.

Geige und Fiedel im Mittelalter zwei verschiedene Instrumente. Untrennbar verbunden mit den Vorstellungen von Lebenslust und Freude.

Karl Stieler sagt 1873, dass an den Sonntagnachmittagen in den Wirtshäusern sowie in den Berghütten unumschränkt die Zither und der Ländler geherrscht haben. Bei den großen Festlichkeiten aber haben die Geigen dominiert.

Drei Tanz kann i tanzn
Und zwoa kann mei Bua,
Uns so lang i a Geign hör,
So lang is koa Ruah.

Im 16. Jahrhundert begannen die Geigenmacher, darunter der bei Füssen geborene Kaspar Tieffenbrucker, die Geige zur klassischen Form zu entwickeln, in der das Instrument im 17. Jahrhundert seinen Siegeszug antrat. Ein Schüler des berühmten Nicola Amati war Matthias Klotz, der ab 1685 Mittenwald zur Heimstatt des bayerischen Geigenbaues machte. Die Geigenmusik war im 18. und 19. Jahrhundert die herkömmliche Tanzmusik.

Schalmei (neunlöcherig) im Mittelalter das melodie-führende Instrument. 1690 baute Johann Christoph Denner eine Schalmei mit zwei Klappen und schuf so das entwicklungsfähige Instrument hin zur Klarinette. Der Name Klarinette wird 1732 erstmals gebraucht. Durch den Instrumentenbauer Iwan Müller wurde 1810 die Klarinette mit 13 Klappen das bevorzugte Holzblasinstrument der Romantik und die Königin der bayerischen Tanzmusik.

Trompete, Posaune, Flügelhorn, Althorn, Tenorhorn, Basstuba, Bassflügelhorn, Bombardon Blechblasinstrumente, bei Bauernmusikanten beliebt, seit 1809 die Militärmusik an kultureller Bedeutung gewann.

Hackbrett (diatonisch) in Bayern auch Zimbal genannt und das melodieführende chromatische Salzburger Hackbrett. Im 18. Jahrhundert zählte Hans Kurz in Berchtesgaden zu den bekannten Hackbrettmachern. Jedoch kein Instrument dieses Meisters ist erhalten. Tobi Reiser hat das Hackbrett wieder zu einem Bestandteil unserer Volksmusik gemacht und neue Zusammenstellungen von Instrumenten erprobt und mit diesen neuen Klängen die Musik vergangener Zeiten mit dem Musizieren von heute verbunden. Dass wir heute neben dem Hackbrett auch das Gitarrentrio kennen, geht ebenso auf ihn zurück, wie die Idee zu einer kleinen Tanzmusikbesetzung, der heutigen Tanzlmusi. Zither die dem Herzog Max in Bayern (1808 - 1888), auch als »Zithermaxl« bekannt und seinem Lehrer und Kammervirtuosen Johann Petzmayr, ihre Bekanntheit verdankt. Man kann sie auch als bayerisches National-instrument bezeichnen. Anteil daran hatte auch Joseph Wasserburger, genannt der »Wirtsepperl z‘ Garching« (an der Alz), der als Wandermusikant durch den InnSalzach-Winkl zog und in erstaunlicher Weise zur Verbreitung des Zitherspiels beitrug.

Gitarre galt lange als herrisches Instrument. Erst in den 1930er Jahren wurde die Gitarre durch Hans Kammerer, Burghausen, zum Melodieinstrument in Volksmusikbesetzungen. Heute spielt sie seit Tobi Reiser, in der Hausmusik eine große Rolle.

Contragitarre mit einem zweiten Hals für die zusätzlichen Basssaiten.

Mundharmonika, Zugharmonika beide erfand der Thüringer Friedrich Buschmann in den 1820er Jahren; Konzertina, Bandoneon, chromatische Knopfharmonika die Zierharmonikas sind die bei der trachtlerischen Brauchtumsarbeit, Plattler- und Tanzproben, am meisten verwendeten Instrumente. Lange Zeit dominierte das Hohner-Tastenakkordeon. Heute greifen die jungen Volksmusikanten mehr und mehr zur diatonischen Steirischen.

An der Beliebtheit und Verbreitung dieses Instruments, gerade in unserem Raum, hat Georg Öllerer ) vom Trachtenverein »D ,Rupertiwinkler« Freilassing-Salzburghofen, auch »Lettner Schorsch« genannt, großen Anteil. 1949 gründete er eine Harmonika-Reparaturwerkstätte, dessen Instrumente heute weit über die Grenzen des Rupertiwinkels hinaus Anerkennung finden. Auf seine Anregung hin, fand 1955 erstmals ein Ziehharmonikaspieler-Treffen statt, das die Erhaltung der diatonischen Harmonika zum Ziele hatte. Er kann auch auf viele erfolgreiche volksmusikalische Auftritte im In- und Ausland zurückblicken. Als Instrumentenhersteller hat er die handwerkliche Ausbildung wesentlich gefördert und sich um die Pflege der Volksmusik verdient gemacht, wofür ihm der Verdienstorden vom Bundespräsidenten Reichard von Weizsäcker 1988 überreicht wurde.

Einer der verdienstvollsten Harmonikaspieler ist Jakob Schneider aus Waging, Lehrmeister und Betreuer des Plattlernachwuchses und Musiklehrer für die Steirische Ziach. Dadurch, dass bei ihm so viele Buam und Dirndln dieses Instrument erlernen haben können, ist ihm die Volksmusi zu großem Dank verpflichtet. Für diese seine Tätigkeiten wurde er 1981 zum Gauehrenmitglied ernannt und vom Bundespräsidenten mit dem Verdienstorden ausgezeichnet.
Als weitere verdienstvolle »Ziacherer« im Gau sind zu nennen: Der leider viel zu früh verstorbene Posch Peter
Willi Schneider aus Waging und Hias Häusler aus Piding (bekannt auch durch die »Gerstreit Musi«) und der Auer Hans von Hammerau.

Maultrommel eine an den rundlich gebogenen Metallrahmen angeschmiedete Stahlfeder erzeugt durch das Zupfen Naturtöne, wobei die Mundhöhle als Resonanzkörper dient; auch sie zählt zu den Harmonikainstrumenten. Kratzzither, Schoßgeige, Streichzither, Hölzernes Glachter, Flageolett (oder Flaschinet) seltenere oder etwas kurzlebigere Instrumente.

Das Wort »Stubenmusi« und ihre Besetzung mit gezupften und geschlagenen Saiteninstrumenten kommt von Tobias Reiser, der mit seinem Quintett Vorbild für ungezählte Hausmusiken in Stadt und Land war.
Zu bedenken sind aber auch: Was heute Volksmusikinstrument genannt wird, hat nie nur der Volksmusik gedient.

»1 hab meiner Lebtag bloß Musi gmacht
mit Klarinetten und Zugharmonie!
Hab aufgspuit zum Tanz, oft bei Tag
und bei Nach
und lusti is gwen, saxendi!«

 

Die Trauntaler Sänger, Max Wurm, Albert Geisreiter, Sepp Schmied, Georg Baumgartner und dem Zitherspieler Hans Riedl, unserem Gaulieder- und -Musikwart seit 1970. Hans Riedl, jetzt beim Trachtenverein Stamm 1 Rosenheim und bekannt auch durch die Rosenheimer Hackbrettmusi.

 

Volksmusik in der Kirche

Vom Mittelalter herauf haben sich zwei Arten des bäuerlichen Singens im Salzburger Land und in Oberbayern entwickelt: das unbegleitete Singen der dazu bestimmten Kirchensinger zur privaten Erbauung nach dem Gottesdienst und das für die Christmette charakteristische, von den Pfeifen und Geigen der bäuerlichen Tanzmusik begleitete Weihnachtslied. Neues Brauchtum entstand, als das von Tobi Reiser in Salzburg entwickelte Modell des Adventsingens in Bayern in vielfältiger Weise angenommen und abgewandelt wurde.
Durch Annette Thoma (1886-1974) aus Riedering, fand der Brauch auch Eingang in den Kirchenraum. Schon bald nach ihrer ersten Begegnung mit dem Kiem Pauli im Jahr 1931 griff sie dessen Anregung auf, sich vor allem des geistlichen Volkslieds und seiner Pflege anzunehmen. 1932 schrieb sie ein »Riederinger Weihnachtsspiel« unter Verwendung unbekannter alter Lieder, im April 1933 entstand für die Riederinger Sänger ihre »Deutsche Bauernmesse). Es war am 24. September 1933 in der Pfarrkirche Großkarolinenfeld, als die Riederinger Sänger dieses Werk zum ersten Male aufgeführt haben. Pfarrer Peter Bergmaier (gebbürtig in Au bei Aibling, Ehrenbürger und Verfasser des 1924 erschienenen ersten Heimatbuches von Ruhpolding) stellte dafür das Gotteshaus zur Verfügung und zelebrierte selbst die Messe.
Von den vielen Aufführungen der »Deutschen Bauern-Messe« darf die Aufführung am 10. Mai 1936 beim Kinderpreissingen in Burghausen erwähnt werden, wo die Freunde und Kenner (auch Kritiker) des Volksliedes sehr zahlreich beisammen und einmütig voll Lob und Begeisterung für das Werk waren. Besonders war es der beste Kenner und wissenschaftliche Beurteiler des Volkslieds in allen europäischen Kulturstaaten Dr. Kurt Huber (geistiger Führer der Geschwister-Scholl Bewegung, im Juli 1943 hingerichtet), der unter den Zuhörern während des Gottesdienstes ganz laut seine Begeisterung für Lied und Vortrag zum Ausdruck brachte. Sie erklang beim Engelamt und in der Heiligen Nacht, bei Bergmessen und in Wallfahrtskirchen, in Krankenhäusern und Lazaretten, in Lagern und Gefängnissen, bei Kriegstrauungen, wie bei Fürstenhochzeiten. Schulkinder sangen sie bei kirchlichen Feiern und unsere Soldaten trugen mit ihr in Lappland und am Fuß des Mont Cenis ein Stück Heimat in ihren Feldgottesdienst. Schon ist sie hinausgedrungen in fremde Erdteile, und als amerikanische Freunde in Rom den Musikbeauftragten des Heiligen Vaters baten, unter den vielen Bandaufnahmen, welche sie von europäischer Volksmusik gemacht hatten , eine für seine Heiligkeit auszuwählen, da nahm er ohne Zögern die »Deutsche Bauernmesse«. Und so wurde die Messe allmählich Volksgut. Häufig und oft missverstanden nachgeahmt, hat sich die Lebenskraft der nicht nur auf dem Lande viel gesungenen »Bauernmesse« seit gut mehr als 50 Jahren bewährt.

Ein Traunsteiner Hirtenlied von 1782.

Nach mündlicher Mitteilung berichtet August Hartmann aus Au bei Berchtesgaden, dass zur Weihnachtszeit, namentlich in der Christmette, Hirtengedichte in Mundart erklungen sind, die in einem sprudelnden, oft kühnen Humor ergingen. Die alten und jungen Kirchensänger, welche sie zur Aufführung brachten, haben auch viele derselben verfasst. Es galt für sie als eine Ehrensache, in jeder Christmette, außer mehreren älteren Hirtenliedern, auch wenigstens ein neues gedichtetes oder doch in der Pfarrei nie gehörtes vorzutragen. Ein solches Lied für die drei Hirten Hansl, Stöffel und Lippl mit 10 Strophen ist im Text überliefert. Verfasst zu Traunstein 1782 und bezieht sich vermutlich auf einen Traunsteiner Kirchensänger.

Ruhpoldinger Handschriften.

Im Gemeindearchiv von Ruhpolding liegen Handschriften auf von mindestens 4 Schreibern, um 1800-1810. Die Handschrift enthält als wesentlichen Bestandteil rund 80 Texte von Predigtliedern, die vor der Predigt von den Kirchensängern oder von der Gemeinde gesungen wurden. Es sind enthalten: Marien-, Hirten-, Oster- und Fastenlieder verschiedener Herkunft. Besitzvermerk: Mathias Göschl am Pattenberg.

 

Volksmusik in der Welt zwischen gestern und heute

Im Zeichen der Rückbesinnung auf alte Werte wurde auch die Bedrohung der Volksmusik erkannt. Ihre Kenner und Liebhaber machten es sich zur Aufgabe, möglichst vielen Menschen die Volksmusik nahezubringen und ihnen die Augen zu öffnen, damit sie den Wert dieses Juwels schätzen lernen. Klein war zunächst auch der Kreis jener Persönlichkeiten, der sich zum Ziel setzte, bayerische Volkslieder und Musik wieder zu beleben. Um eine breite Öffentlichkeit mit unseren traditionellen Liedern und Weisen wieder vertraut zu machen, wurden Preissingen vor Publikum veranstaltet. Viele dieser Singen wurden vom Bayerischen Rundfunk übertragen, der außerdem in aufbauenden, sorgfältig konzipierten Sendungen seine Hörer über dieses wertvolle Volksgut informierte, es ihnen näherbrachte und schließlich viele damit vertraut machte. Eng war damit der Gedanke verbunden, manchen wieder zum Selbstsingen und -musizieren anzuregen. In den 60er und 70er Jahren übten die öffentlichen Sänger- und Musikantentreffen, kontinuierlich jeden Samstagnachmittag vom Rundfunk übertragen, eine wichtige Funktion aus. Die Zahl der Zuschauer wie Zuhörer stieg ständig, die Gruppen lernten sich untereinander näher kennen, man konnte vergleichen, lernte zu urteilen, manche Anregung wurde gegeben, neue Aufgaben gestellt, man erhielt eine Bestätigung des eigenen Singens und Musizierens und fand Anerkennung in der Öffentlichkeit.

Auch heute sind die Sänger- und Musikantentreffen aus dem Jahresablauf der Volksmusik nicht mehr wegzudenken, noch dazu, da die Form des Singens und Musizierens vor Publikum bei Advents-, Marien- und Passionssingen übernommen wurde. Wir sind uns bewusst, dass hiermit »Veranstaltung«, »Auftreten«, »Bühne« usw. verbunden sind, jedoch liegt es in der Macht des jeweiligen Veranstalters und letzten Endes der Sänger und Musikanten selbst, dass diese Treffen für alle zu einem Erlebnis und nicht als nüchternes »Zuschaustellen« oder »Erfüllen eines Programms« zur mehr oder weniger lästigen Pflicht werden. Sicherlich muss auch in Zukunft noch Platz für derartige Volksmusikveranstaltungen sein. Wir alle aber sollten ungezwungenes, gemütliches musikalisches Zusammensein im Familienkreis, im Wirtshaus, beim Hoagarten (Hoangascht), nicht vernachlässigen. Singwochen und Volksmusiklehrgänge trugen dazu bei, dass das echte Volkslied, angemessen zurechtgerückt und gebührend herausgestellt, wieder in den Vordergrund treten kann und dass es stilistisch rein und letztendlich glaubhaft dargeboten wird. Auch der Bayerische Rundfunk machte es sich nun bereits über Jahrzehnte hinweg zur Aufgabe, in seinen Programmen der Sache Volksmusik gerecht zu werden. Dies gilt sowohl für den Hörfunk als auch seit 1964 für das Fernsehen. Wir wollen Zusammengehörigkeit von Sprache, Landschaft, Brauchgut und Musik in ihrer Verflechtung im fränkischen, schwäbischen und altbairischen Raum aufzeigen. Bei all unseren Aufnahmen ist uns Rundfunk- und Femsehleuten oberstes Gebot: Erhaltung und Ursprünglichkeit, Lebendigkeit und damit verbunden ehrliche Ausdruckmöglichkeiten, also, Sendungen, der guten Sache verpflichtet, den Mitwirkenden und Zuhörern zur Freude.
Auch die Bemühungen der Musikschulen in Bayern müssen erwähnt werden, die ebenfalls mithelfen, gerade jungen Menschen Musik, in zahlreichen Fällen gezielt Volksmusik näherzubringen. Während zu Beginn der 70er Jahre das Lied bereits in zahlreichen Gesangsgruppen gepflegt wurde, war es um die instrumentale Volksmusik mit Ausnahme einiger profilierter Gruppen weniger gut bestellt. Doch schon kurze Zeit darauf setzte eine von niemanden geahnte Belebung des Musizierens im allgemeinen sowie im besonderen auf dem Gebiet der Volksmusik ein. Heute können wir feststellen: Unsere Leut‘ in Stadt und Land singen und spielen wieder!

Zu dieser erfreulichen Entwicklung haben viele beigetragen; gar mancher ist in aller Munde, aber wir wissen, ohne die Mitwirkung der vielen namentlich Unbekannten, die im stillen wirken, könnte es nicht heißen: »Stets lebendige bayerische Volksmusik«.

Alfred Artmeier in »Bayerland« Nr. 8/1982

 

    Wiederentdecker des Volkslieds in Bayern

Pauli Kiem, geboren 1882 in München, wurde Musiker bei der Tegernseer Bauernbühne. Ludwig Thoma, zu dessen Freundeskreis er zählte, regte ihn an, sich nach österreichischem Vorbild mit der Volksliedpflege und Volksliedforschung in Bayern zu befassen. Herzog Ludwig in Bayern und Herzog Albrecht von Bayern gaben ihm durch eine lebenslange, verständnisvolle Förderung die Möglichkeit, diese Anregung zu verwirklichen. 1925 begann die Freundschaft mit Dr. Kurt Huber. Der Kiem Pauli unternahm nun mehrere Sammelreisen und veröffentlichte einen Teil der aufgezeichneten Lieder in seinem Hauptwerk, dem Band »Oberbayerische Volkslieder« (1934). Mit Leidenschaft und Sachkenntnis, ausgestattet mit gesundem Menschenverstand und hoher Musikalität, setzte er sich durch die Veranstaltung von Preissingen und zielbewusste pädagogische Arbeit für die lebendige Pflege des guten Dialektliedes ein. Zusammen mit Kurt Huber hat er weithin verschüttet gewesenes Liedgut in Bayern wiedererweckt und dem wiedererstandenen Volksliedsingen erschlossen. Kiem Pauli starb 1960 in Kreuth. In der Niederschrift von der Gauversammlung am 8.4.1956 in Rosenheim ist vermerkt, dass eine Aussprache mit Bezirksheimatpfleger Dr. Hoffmann volle Übereinstimmung in den Zielen zur Heimatpflege ergeben habe und Dr. Adlmaier von der Regierung von Oberbayern einen neuerlichen Zuschuß in Höhe von DM 1000.-- an Kiem Pauli zur Pflege des Volksliedes erreichen konnte.

»Wastl, ich übergebe dir das Erbe, halte es hoch und heilig!« Mit diesen Worten legte der Kiem Pauli, seit einem Menschenalter als Testamentsvollstrecker Ludwig Thomas Sammler, Wiedererwecker und Heger des bayerischen Volksliedes, seine Lebensarbeit in die jüngeren Hände von Wastl Fanderl und seinen Sängern. Von 1973 bis 1981 war Fanderl der erste Volksmusikpfleger des Bezirks Oberbayern. Sein Nachfolger in dieser Funktion ist Wolfgang Scheck.
 

Ein Liederbuch aus Berchtesgaden

Ein Liederbuch der Lina Stangassinger aus Berchtesgaden, damals Hofschaffner Linnerl genannt, ist eine Rarität besonderer Art. Er enthält sowohl die Texte als auch die Melodien seiner Lieder in einer Form, die deutlich durch die Eigenart von Zeit und Region geprägt sind. Es handelt sich um Aufnahmen von Liedern, die auch aus anderen Quellen bekannt sind. 1911 wurden sie in Berchtesgaden gesungen. Aus dem Liederbuch haben die Markterer Sänger von Berchtesgaden das Lied »Gamsbergsteign im Summa« 1965 übernommen, sie singen es heute noch.

 

Und dazu gehören auch die Trachtler

Trachtler in ihren Vereinen, die sich in Rückbesinnung auf heimisches Lied- und Musikgut wieder mehr um die Echtheit der Volksmusik bemühen.

Als nach der Revolution 1918 alles drunter und drüber ging, hielt Thomas Bacher im Rokokosaal in Traunstein 1923 den ersten »Heimatabend« ab und es wurde ein durchschlagender Erfolg; erdacht von Thomas Bacher, Heini Stumpf und Dr. Conrad Adlmaier. Dr. Adlmaier schreibt darüber und welche Idee dem ersten Heimatabend zugrunde lag: Man ging von dem Gedanken aus, zu den früheren »Heimgarten«, wie sie auf dem Lande üblich waren, wo die Nachbarn in der Dorfgemeinschaft zusammenkamen zu einer gemütlichen Aussprache, zur Unterhaltung mit Hausinstrumenten und einem schönen Volkslied, und wenn es die Zeit erlaubte, zu einem Schuhplattler und einem Tänzchen.

Zehner Hans schreibt (Oberländer-Heimat-Bote Nr. 17/ 1968): Hinzu kam die aufgehende Saat, die Kiem Pauli im Frühjahr 1930 in der »Überfahrt« zu Egern am Tegernsee mit seinem ersten Preissingen gelegt hatte. Das echte Volkslied hatte seine Wiedergeburt erlebt und als der Pauli mit seinem »Musterkofferl«, wie er die ersten PreisSänger, Sontheim-Burda und Treichl-Vögele, gerne nannte, beim großen Trachtenaufmarsch in Rosenheim (15.-17.8. 1930) in den Rosenheimer Bierkellern die Tausenden von Trachtlern und Festgästen mit den schönsten Alm-, Wildschützen- und Jagerliadln und den vierstimmigen Jodlern begeisterte, da war auch für die Trachtenvereine das Signal gegeben, sich verstärkt des echten Volks-Liedes anzunehmen.

Selbstverständlich gab es dann im Laufe der Zeit Entwicklungen und Verfälschungen, die der ursprünglichen Idee nicht mehr gerecht werden. Doch darüber wurde im Heimat- und Trachtenbote, und nicht nur dort, schon viel geschrieben. Die »Vereinigten«, Gauvorstände, Trachtenpfleger und Liederwarte, werden hierzu immer wieder die nötigen Ratschläge geben, damit in dieser Art Veranstaltungen die ureigene Aufgabe nicht verloren geht.

Aus der Niederschrift von der Gauausschusssitzung vom 8.11.1931 in Traunstein geht hervor, daß »Zell b. Ruhpolding« an Pfingsten 1932 ein »Preis-Gausingen« unter dem Protektorat von Thomas Bacher und Kiem Pauli abhalten will. Dies wurde einstimmig genehmigt mit den Auflagen, dass »zwar die öfters schon und gutgeschulten Sänger nur außer Konkurrenz singen dürfen. Die Preise dürfen nur an die Vereine bzw. deren Sänger verteilt werden, die nicht Provisionssänger, sondern ihren Gesang nur in ihrer engeren Heimat pflegen«.

Viele Sänger und Musikanten aus den Kreisen der Trachtler müssten hier jetzt genannt werden. Da jedoch so manch Sänger oder Gruppe dann doch nicht aufgeführt wäre, wurde auf die Aufzeichnung verzichtet und bitten dafür um Nachsicht.
 

Gauliedersingen und -Musizieren

Das erste Volksliedersingen des Gauverbandes nach dem 2. Weltkrieg fand am 5. Dez. 1954 im Vereinshaus in Traunstein unter der Leitung von Gauausschussmitglied Hans Lobmayer statt. Die zwanzig teilnehmenden Gruppen aus Ebersberg, Au b. Berchtesgaden, Laufen, Oberneukirchen, Hausham, Ruhpolding-Zell, Salzburg, Mühldorf, Berchtesgaden, Wasserburg, Stephanskirchen, Inzell, Grainbach, Au b. Aibling, Trostberg, Breitbrunn, Neukirchen und Chieming, wie auch die Inntaler Hackbrettmusi, ernteten großen Beifall und wurden mit einem Ehrendiplom ausgezeichnet. Gauvorstand Dr. Adlmajer konnte unter den vielen Zuschauern auch Hans Seidl vom Bayerischen Rundfunk, Tobi Reiser aus Salzburg, Wastl Fanden und die Geschwister Schiefer aus Laufen begrüßen.
Die Gauliedersingen, wie damals versprochen, wurden zum festen Bestandteil der Volksmusikarbeit im Gauverband 1 und haben seitdem ohne Unterbrechung alljährlich an den verschiedensten Orten unseres Gaubereiches stattgefunden.
Von 1954 bis 1957 wurden diese Veranstaltungen von Hans Lobmayer und von 1958 bis 1968 von Gebietsvertreter und dem zum Gauliederwart bestellten Hans Schwab aus Burghausen organisiert.

 

    Hans Riedl neuer Gaulieder und -Musikwart

Am 11.7.1970 wurde Hans Riedl vom Stamm 1 Rosenheim, zum Gaulieder- und -Musikwart gewählt. Seitdem hat er 18 Gauliedersingen durchgeführt, an denen sich 411 Gruppen mit 1357 Sängern und Musikanten beteiligt haben.

 

Förderung durch den Bayerischen Musikplan

Seit 1980 wird auch den Trachtenverbänden ein Zuschuss aus dem Bayerischen Musikplan gewährt. Dieser Zuschuss (etwa DM 8000.-- jährlich für unseren Gau) wird für überregionale eintägige Seminare und Schulungen, Musiker- und Volkstanztreffen und zur Beschaffung besonderen Notenmaterials verwendet. Ziel solcher Schulungen und Zusammenkünfte ist, den Musikanten und Sängern den Weg zu weisen, ihre Vorträge zu verbessern und das Richtige zu den verschiedensten Auftritten zu vermitteln. Gerade vom Musikantennachwuchs werden solche Schulungen und Vorträge des Gauliederwartes dankbar angenommen. So gesehen ist dieser Zuschuss des Staates nicht verloren, sondern ein wertvoller Beitrag zur Förderung dieses Teils Kulturgut und der Ehrenamtlichkeit unserer Musik- und Liederwarte, wenngleich er im Verhältnis zu der großen Zahl unserer Gruppen doch sehr bescheiden ausfällt.

 

Ein Gaubeschluss

Am 9. April 1985 hat der Gauausschuss die folgenden Teilnahmebedingungen für Gauveranstaltungen beschlossen:

»Sänger und Musikanten müssen so angezogen sein, dass dies der Art unserer Veranstaltungen entspricht, das heißt: bei den Dirndln Festtracht oder die sogenannte Haibtracht. Darunter versteht man: Drahrock oder Almakittl und beim Oberteil entweder Mieder, Leibl oder Spenser; dazu kein offenes Haar oder Bubikopf, sondern Greteifrisur, Schopf (Knoten) oder Zöpfe; bei den Buam und Mannerleut: Lederhose, Bundhose oder lange Hose, Hosenträger mit Quersteg, Trachtenjoppe, wenn ohne Joppe, dann Ranzen oder Leibl, Trachtenschuhe, Trachtenstrümpfe, Bindl oder Schmisl und dazu den Trachtenhut«.

 

Volksmusikveranstaltungen auf Gauebene seit 1954

Seit 1954 wurden bis heute 36 Gauliedersingen und -Musizieren in den verschiedensten Orten unseres großen Gauverbandes mit teils sehr guten Erfolgen durchgeführt. Weitere Volksmusikveranstaltungenwaren:

    06.03.1954 großer Heimatabend aus Anlass der Tagung der Vereinigten Bayerischen- und Südwestdeutschen Trachtenverbände in der Turnhalle in Traunstein.

    27.03.1971 großer Heimatabend anlässlich der Tagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände im Kurhaus in Ruhpolding.

    25.10.1975 50. Gründungstag der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände, Sänger- und Musikantentreffen im Kurhaussaal in Bad Aibling.

    18.06.1983 100 Jahre Trachtenvereine in Bayern; Festheimatabend in der Oberlandhalle in Miesbach.

    11.08.1984 100-jähriges Gründungsfest in Bad Feilnbach.

    27.09.1986 großer Heimatabend anlässlich der Tagung der Vereinigten Bayerischen Trachtenverbände im Kurhaussaal Berchtesgaden.

    24.10.1986 Sänger- und Musikantentreffen; »Volksmusik aus Stadt und Land«, mit dem Bayerischen Rundfunk.

    09.05.1987 Heimatabend aus Anlass des 25-jährigen Jubiläums der Gaugruppe im Kurhaussaal in Ruhpolding.

    08.11.1987 Erster Trachtenjugendtag im Landkreis Rosenheim in der Lamstoahalle in Frasdorf.

    01.10.1989 Zweiter Trachtenjugendtag im Landkreis Rosenheim in der Beurerhalle in Neubeuern.

Eine beachtliche Zahl von Sängern und Musikanten 307 Volksmusikgruppen, 98 Gesangsgruppen, 195 Einzelspieler, davon 124 Diatonische Ziach, 51 Akkordeon, 12 Harfen, 2 Okarina, 2 Raffele, 2 Maultrommel, 1 Bandonium, 1 Zimbal, 15 Tanzlmusikgruppen, 11 Alphornbläsergruppen und 2 Chöre; zusammen 1716 Musiker und Sänger, (ohne die Mitglieder der vielen Blasmusikkapellen), die sich in den Vereinen unseres Gauverbandes aktiv der Volksmusik widmen. Beachtlich jedenfalls diese Zahl, doch nicht immer genau zu erfassen, da aus der einen oder anderen Gruppe von Dirndln und Buam, immer wieder neue Besetzungen in der verschiedensten Art entstehen. Diese Umbesetzungen bringen so sehr viel Abwechslung und eine Bereicherung des Volksmusikgeschehens.

 

Und gabs koa Musi und koan Gsang... Was wär denn die Musi, unser Liad und auch der Volkstanz, ohne einem gut Teil trachtlerischem Element? Deshalb zählt die Volksmusik immer schon zu den Hauptaufgaben der Brauchtumspflege in den Trachtenvereinen und im Gauverband.

Und da gfreuts uns natürlich, dass dank der doch vielen Sänger und Musikanten in den Trachtenvereinen und dank all der anderen natürlich auch, die Volksmusik nicht ganz an den Rand und nicht ganz ins Abseits gestellt ist und viele dadurch bewahrt werden, abzugleiten in den Kitsch und in den Missbrauch, in die Entartung dieser volkskulturell doch so wertvollen Leistungen und Schöpfungen.

Und Dank dafür auch, dass durch die Volksmusik a bisserl was wenigstens noch, von unserer Art und Lebensweise in unser Land und Volk hineingetragen wird.

Wir sind uns auch sicher, dass der Jugend in der Zeit heute, durch Radio und Fernsehen und in den unzähligen Veranstaltungen landauf und landab, kein guter Dienst erwiesen wird, wenn sie mit nur hartem Rock und aufgeilendem und aufpeitschendem Diseosaund überschüttet wird und würden uns wünschen, wenn die Programmmacher unserer immer zahlreicher werdenden Rundfunk- und Fernsehsender, nicht nur noch Einschaltquoten in ihren schon tauben Ohren haben würden.

Sorgen wir, dass das »Singen und Musizieren« weiter vielen Menschen so a große Freud macht, so wias hoaßt im »Grüaß Gott beinand« vom Ponzauner Wigg:

»Und gabs koa Musi und koan Gsang, wia waar ma mia dann gstellt. A weng ebbs braucht da Mensch fürs Gmüat, auf der vadrahtn Welt!«

        Hans Riedl und Max Reitner