Eine kulinarische Reise durch das Kirchenjahr
Weißbach und Seebruck. Was ist ein Brauch und wie entsteht er? Welche Backwaren werden zu welchem Heiligengedenktag verzehrt und welche regionalen Unterschiede gibt es dabei? Antworten auf diese Fragen gab es beim Vortrag „Brauchtumsbäckerei im kirchlichen Jahreskreis“. Organisiert wurde die Veranstaltung vom Gautrachtenverband I, federführend war Marianne Heidenthaler vom Sachgebiet Mundart Brauchtum Laienspiel. Die Veranstaltung fand an zwei Tagen statt, einmal in der Trachtenhütte des GTEV „D’Weikerstoana“ Weißbach und einmal im Vereinsheim des GTEV „Seerose“ Seebruck. An beiden Tagen war das Erste, was die Teilnehmer beim Betreten der Veranstaltungsräume sahen, ein Tisch, der sich vor verschiedenstem Backwerk bog.


Referentin Gisela Haußner vom Bayerischen Trachtenverband hatte im Vorfeld eine komplette Woche lang gebacken – dies wohlgemerkt ehrenamtlich – und etwa 30 verschiedene Köstlichkeiten mitgebracht, deren appetitlicher Anblick sofort Vorfreude auf die spätere Verkostung weckte. Während zumindest Auszogne, Christstollen und Osterlamm allen Anwesenden bekannt waren, fragte sich zu Beginn mancher, was es wohl mit Sonnenrad, Georgsdrachen oder Palmbrezeln auf sich hatte, um nur einige der 30 Namen zu nennen. Die Auflösung folgte, als die Referentin beginnend beim Advent vom Barbarakuchen über Josefi- und Blasiusbrot bis hin zum Allerseelenzopf die geschichtlichen Hintergründe und regionalen Gebräuche zu jedem Backwerk anschaulich erläuterte. Dass viele der Backwerke die Namen von Heiligen tragen, ist kein Zufall. Wie Haußner erklärte, wurde das kirchliche Fasten früher wesentlich disziplinierter gehandhabt. Unter anderem galt auch die Adventszeit als strenge Fastenzeit. Unterbrochen wurden diese Fastenzeiten von Heiligen-Gedenktagen, die eine willkommene Gelegenheit zum Fastenbrechen darstellten und entsprechend gebührend gefeiert wurden. An diesen Tagen ließen es sich die Menschen gutgehen und es wurde richtig groß „aufgebacken“. Feingebäcke waren damals allerdings noch nicht üblich, sondern es wurden überwiegend Brotteige, Mürbteige und Hefeteige verzehrt, wusste Gisela Haußner zu berichten.


Es sollte nicht bei der Theorie bleiben: auf die interessanten Ausführungen, die Haußner im regen Austausch mit den Zuhörern vorbrachte, folgte der wichtigste Teil: das Probieren der Backstücke. Der kirchliche Jahreskreis im Vortrag schloss sich, aktuell passend, mit dem Kirchweihfest, bei dem es die bekannten Kiachl gibt, die bei uns in der Gegend Auszogne genannt werden. Zum letzten Heiligentag Sankt Martin im November zeigte und reichte Haußner ein sogenanntes Martinshörnchen. Sowohl die Teilnehmer an beiden Tagen als auch der stellvertretende Gauvorstand Hans März zeigten sich überrascht und fasziniert von der Gebäckauswahl und dem vermittelten Hintergrundwissen. März dankte Haußner in seinem Schlusswort dafür, dass sie mit ihrem Vortrag vieles bei uns in Vergessenes wieder in Erinnerung gerufen habe und rief die Zuhörer auf, die vorgestellten Backwaren auch zuhause nachzubacken.


